thomas11

2007-04-04

Wohnheimleben: die Mess

Filed under: india — Tags: , — thomas11 @ 22:11

Letztens waren wohnheimsinterne Wahlen. Die werden hier ernst genommen, nicht wie in Deutschland, und die Kandidaten führen richtig Wahlkampf. Bei mir haben drei Leute angeklopft und auf mich eingeredet, auf jeden Fall für sie zu stimmen.

Eigentlich super. Andererseits hatten sie alle die gleiche Agenda: den ersten Platz in den Inter-Hostel-Competitions zu erhalten, und das Essen in der Mess (Kantine) zu verbessern. Die Verpflegung ist für viele Studis ein fettes Manko am Wohnheimleben und sie werden nicht müde, den Fraß zu kritisieren. Gerade waren wieder welche da, die eine Umfrage für die Wohnheimszeitschrift machen, auch wieder über die Verpflegung. Ich werde dementsprechend desöfteren ausgelacht, wenn ich sage, dass ich es eigentlich meistens ganz ok finde. “Are you crazy?!??”.

Naja, was erwarten die Leute? Klar schmeckt’s nicht wie bei Mama, die als gute indische Hausfrau den ganzen Tag mit Kochen zubringt. Und die kennen die deutschen Mensen nicht. Oder hat es mit Kastendenken oder sozialer Abgrenzung zu tun, dass man ja nicht mögen kann, was die Mess Workers da fabrizieren? Da muss ich noch nachforschen.

Außerdem geht es ja aufwärts: in der letzten Ausgabe der Wohnheimszeitschrift wurden wir informiert, dass an der Küche außen jetzt ein Gitter abgebracht wurde, denn “monkeys entering the kitchen were posing a constant problem” (in die Küche kletternde Affen stellten ein ständiges Problem dar). Na, da schmeckt’s doch gleich besser!

Warum esse ich denn nicht mehr auswärts, das Geld stellt für mich Westler doch kein Problem da? Nun, das mache ich schon ab und zu, aber die Buden, an denen die Studis essen, die sich so lautstark über die Mess beschweren, stellen für meinen Geschmack keine nennenswerte Verbesserung dar. In gehbarer Nähe haben mir meine Kommilitonen bisher nur ein echt gutes Lokal gezeigt.

Ich bin übrigens überzeugt, dass das Essen weit gesünder ist als das, was 99% der Deutschen essen. Jeden Tag kriege ich hier – und das ist ja sehr einfaches Essen für hiesige Standards – Reis, Brot aus Vollkornmehl, Linsen oder Kichererbsen, Kartoffeln, ein bis zwei Gemüse. Ab und zu auch noch andere Zutaten wie Frischkäse oder Yoghurt. Immer frisch gekocht. Zusätzlich zum normalen Frühstück gibt’s oft eine Banane oder Omelett, und immer frische Milch. Immer wieder mal gönnen wir uns dann nachmittags noch ein Fruit Chaat, ne Menge frisch zusammengeschnippelte Früchte mit Gewürzsalz, an einer nahegelegenen Bude.

Ach ja, das Moong Dal war heute wieder echt gut. Moong Dal rockt.

Das einzige, was ich bis jetzt echt vermisse, ist Schokolade (also Importladen finden) und Salat.

4 Comments

  1. Hallo Thomas,

    das größte Lob für ein Restaurant in Indien ist, wenn es wie homemade schmeckt. Inder sind extrem wählerisch was ihr essen angeht, da kann dir Daniela (nosianai) wohl einige Geschichten erzählen. Warte mal noch ein paar Wochen und du wirst dich wohl auch nach was anderem als Dal oder Reis lechzen, bei mir war der Punkt nach 8 Wochen erreicht und ich hab ein Steakhouse aufgesucht :-).
    Mit importierter Schokolade wäre ich vorsichtig, hab ich mir auch gekauft (ca. 400 Rps ! für ne Tafel Lindt) die war aber dank des prima Transports und der super Lagerung net so dolle bis ungenießbar. Lass dir lieber von zuhause was schicken. Dann auf dem Zollzettel des Paketes aber “spare parts” angeben. Ich hatte bei 2 Paketen sweets draufgeschrieben und nach Indien geschickt, kam nie an. Freund schafft bei DHL, der sagte schreib einfach spare parts drauf, dann kommts an.

    Gruß Thorsten

    P.S.: Super geschriebener Blog, ich kann mich direkt wieder in Indien sehen :-).

    Comment by Thorsten — 2007-04-04 @ 23:54

  2. Danke für den Tipp mit dem Schoko-Import. Eigentlich hatte ich ja den Ehrgeiz, den Indien-Aufenthalt als Gelegenheit zum Entzug zu nutzen, aber es ist schon schwer ;-) Im LP steht, dass es am Khan Market viele importgeschäfte geben soll, weil da auch die Diplomaten einkaufen. Aber ich lass mir’s einfach schicken, ist am einfachsten.

    Das Steakhouse reizt mich als Vegi jetzt gar nicht :-) Allein von daher ist das indische Essen für mich schon ein Traum. Kein Nachfragen, ob’s auch was vegetarisches gibt, kein Nachdenken, ob man jetzt auch genug Nährstoffe abgekriegt hat, wenn man nur Beilagen isst.

    Danke für die Tipps Thorsten, sind immer willkommen. Und danke auch für’s Lob, freut mich, dass ich leser außerhalb meines Bekanntenkreises gewonnen hab.

    Comment by Thomas — 2007-04-05 @ 12:13

  3. HAHA wie geil ist denn das mit dem Gitter und den Affen :P

    Grüße
    -Lev

    Comment by Lev — 2007-04-05 @ 14:44

  4. Keine Schokolade … das ist echt ein Manko! Un dann auch noch Vegetarier, dir entgeht das ganze gute Hähnchen ;)

    Comment by Philip — 2007-04-05 @ 21:29


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